Blogger goes Fastenzeit 2012 – Woche 1 / Tag 7 – Reflektion am Sonntag

Die Männer sind beim Handball, die Hunde haben ihre Knochen und ich sitze mit meinem Tee und etwas leiser Musik im Hintergrund vor dem PC. Optimale Vorraussetzungen zur Reflektion 🙂

Alexandra von der Wissensagentur hat die Fastenchallenge der besonderen Art ins Leben gerufen. Sie stellt uns jeden Tag neue Aufgaben, die wir innerhalb von zehn Minuten erledigen können. Natürlich ist das kein Zwang. Hat jemand keine Lust seine Teeschublade durchzugucken, dann eben nicht. Möchte jemand länger an der Schublade sitzen, geht das natürlich auch. Also Fasten wie es sein soll: freiwillig und von einem selbst komment.

Aber natürlich ist man auch neugierig, was denn die anderen Teilnehmer so schreiben oder fotografieren. Das gilt für die kleinen Einträge zum jeweiligen Tagesthema ebenso wie zu ihrem bisherigen Gesamteindruck. Auch wenn es für einen selbst ist, kann es ja manchmal ganz interessant sein, was andere erlebt oder gedacht haben. Oftmals kommt man dadurch ja auch darauf, daß man vielleicht genau das Gleiche oder was völlig anderes empfunden hat. Darum hat Alexandra uns Fragen zu unserer ersten Wochen gestellt.

  • Wie war das Ordnung machen für mich? Was wurde mir dadurch bewusst?
  • Wie war es diese Entscheidungen zu treffen, was ich behalten möchte und was nicht?
  • Wie ging es mir mit dem Entsorgen und Loslassen?
  • Wie betrachte ich nun die Dinge, für die ich mich bewusst entschieden habe, sie zu behalten?
  • Was ist der wichtigste Gedanke, den ich mir aus dieser Woche mitnehme?

Wie war das Ordnung machen für mich?

Erste (gedankliche) Antwort: Einfach. Überfällig. Dumm.

Einfach, weil es ja wirklich keine große Meisterleistung ist mal eben seine Besteckschublade durchzusehen oder sich von einigen Tassen zu trennen. Es ist ja nicht so, als hätte ich geschworen die nächsten vier Wochen auf Salat zu verzichten und müßte das jetzt versuchen durchzuhalten. Es ist eine ganz leichte Aufgabe: Schublade aufziehen, ausräumen, auswischen und wieder einräumen, im Zweifelsfall vielleicht sogar genau das, was man fünf Minuten vorher ausgräumt hat. Man muß keine binomischen Formeln dafür kennen und auch keinen starken Mann zu Hilfe holen.

Überfällig. Wenn es so verflixt einfach ist, warum habe ich das dann nicht schon längst erledigt gehabt???

Dumm. Es ging einfach und schnell und anschließend habe ich mich echt gefreut. Ich freue mich noch jetzt, ein paar Tage später, wenn ich die Schublade aufziehen und die Ordnung sehe, und ich kichere immer in mich hinein, wenn mein Mann ganz seelenruhig seinen Becher rausnimmt und nicht merkt, daß ich vier seiner Schätze umgeräumt habe ;))

Warum also, mache ich das nicht öfter? Nicht das Becher wegrationalisieren oder das Besteckfach auswischen, sondern mich selbst mit diesem Gefühl des Zufriedenseins belohnen? Weil es Aufwand ist, sagt mir mein Verstand sofort. Allein von der Couch aufzustehen und zu sagen, ich könnte ja jetzt den Strickkorb nach unnötiger und hässlicher Wolle durchgucken, ist Aufwand, auch wenn ich weiß, daß ich mich anschließend besser fühle und vielleicht sogar endlich den nötigen Schub kriege die Socken fertig zu stricken, die schon seit Oktober im Korb liegen. Aber ist eine zehn Minütige Aufgabe wirklich Aufwand oder dauert es nicht sogar länger, sich Ausreden auszudenken und sich davor zu drücken?

Ich muß also ehrlich sagen, ich weiß nicht, warum ich das nicht öfter mache. Aber ich forsche nach 🙂

Wie war es diese Entscheidungen zu treffen, was ich behalten möchte und was nicht?

Bei einigen Dingen war es einfach, bei anderen Dingen sehr schwer und bei den Tassen war es unmöglich. Es fiel mir leicht das alte Kindergeschirr rauszukramen und mir zu überlegen, ob ich das in die Erinnerungskiste für Sohnemann packe oder vielleicht verschenke. Die Tassen waren ein Problem. Ich hatte jede Einzelne in der Hand und habe mich gefragt, ob ich sie wirklich brauche, wirklich, wirklich brauche. Oder ob sie wirklich so super schön war, daß ich sie unbedingt behalten mußte. Schlußendlich habe ich Männes Tassen entfernt (er hatte sowieso zu viele), aber damit habe ich mich vor der eigentlichen Entscheidung gedrückt und jetzt grübel ich jedes Mal, wenn ich eine Tasse aus dem Schrank nehme, ob nicht doch eine noch gehen könnte.

Wie ging es mir mit dem Entsorgen und Loslassen?

Hatte ich mich einmal entschieden, war es kein Problem mehr. Die Dinge sind entweder konsequent in den Müll gewandert oder auf dem Stapel der Bücher für die Bücherei gewandert (hatte ich erwähnt, daß ich zum Geburtstag neue Kochbücher bekommen habe? Und das ich im Zuge des ins Regal stellens 🙂 gleich vier Bücher rausgesucht und für die Bücherei fertig gemacht habe?)

Wie betrachte ich nun die Dinge, für die ich mich bewusst entschieden habe, sie zu behalten?

Im ersten Ansatz würde ich sagen, ich frage mich, ob diese Dinge wirklich bleiben müssen. Ich habe mich entschieden, aber ich hinterfrage noch. Natürlich bleiben diese Sachen, aber ich habe das Gefühl, ich benutze die Dinge nicht einfach nur so, weil sie gerade zur Hand sind, sondern etwas bewußter. Ich habe mich schließlich gerade erst wieder für sie entschieden.

Was ist der wichtigste Gedanke, den ich mir aus dieser Woche mitnehme?

Es tut gut, Sachen loszulassen. Es tut gut, sich mit Sachen zu beschäftigen, die man oftmals nicht mehr wahrnimmt. Ich habe nicht den Eindruck, daß ich Ballast mit mir rumschleppe. Ich fühle mich auch nicht sonderlich viel leichter (im Moment 🙂 ), aber ich habe gesehen, daß ich den Gedanken des „Prüfens“ auf andere Dinge übertrage. Als ich meine neuen Kochbücher ins Regal gestellt habe, war ich sofort dabei und habe nachgeschaut, welches der anderen Bücher ich wirklich brauche oder benutze. Das hätte ich vorher vielleicht nicht getan.

Advertisements

4 Kommentare zu “Blogger goes Fastenzeit 2012 – Woche 1 / Tag 7 – Reflektion am Sonntag

  1. Liebe Sissi,

    was für eine wunderbare und ausführliche Reflektion! Mit deinen Gedanken hast du mich auch gleich wieder zum Nachdenken gebracht. Meine „Tassen“ sind meine „Bücher. Hier würde es mir genauso schwer fallen wie dir. So hat wohl jeder seinen Bereich im Leben den er als Schatz empfindet und nicht weggeben mag.

    Wie schön, dass sich das Bewusstwerden bereits jetzt auf andere Bereich überträgt. Das ist der Kern der ganzen diesjährigen Fastenaktion. Noch mal vielen, lieben Dank für dein Mitmachen und deine wertvollen Beiträge!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s